· Aktualisiert 2026-09-10
Nur 2 statt 13 Jahre Haft: Was Südkoreas Vereinigungskirche-Urteil zeigt
Korrektur (2026-09-10): Umfang, Vergleiche und Einordnung zentraler Zahlen wurden geprüft und im Text berichtigt. Das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum bleibt erhalten.
- Am 31. August verurteilte ein Seouler Gericht die 83-jährige Anführerin der Vereinigungskirche, Han Hak-ja, wegen Verstößen gegen das Parteienfinanzierungs- und Antikorruptionsgesetz zu 2 Jahren Haft — nur rund 15% der geforderten 13 Jahre.
- Das Gericht stellte fest, dass die Kirche die Präsidentschaftswahl 2022 als Chance zur Machtausweitung nutzte: 100 Millionen Won gingen an den damaligen Abgeordneten Kwon Seong-dong, weitere 134 Millionen Won wurden als gestückelte Spenden an Abgeordnete der Regierungspartei verteilt.
- 132 Politiker und null Anklagen betreffen die gesonderte Spendenuntersuchung 2019–2025 der gemeinsamen Ermittlungsstelle. Sie stehen nicht für alle Verfahren um Han Hak-ja oder politische Fälle der Vereinigungskirche.
Was geschah
Am 31. August verurteilte die 27. Strafkammer des Zentralbezirksgerichts Seoul Han Hak-ja (83), Anführerin der Vereinigungskirche (Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung), zu je einem Jahr Haft wegen Verstoßes gegen das Parteienfinanzierungsgesetz sowie wegen Verstoßes gegen das Antikorruptionsgesetz und Unterschlagung — insgesamt zwei Jahre. Das entspricht rund 15% der 13 Jahre, die das vom Sonderermittler Min Joong-ki geleitete Team gefordert hatte.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Han gemeinsam mit einem früheren Kabinettschef und einem früheren Abteilungsleiter am 5. Januar 2022 dem damaligen Abgeordneten Kwon Seong-dong 100 Millionen Won an illegalen Parteispenden übergab und im März desselben Jahres 134 Millionen Won an Kirchengeldern in gestückelter Form an Abgeordnete der Regierungspartei verteilte — eine Methode, um Offenlegungsgrenzen zu umgehen. Bei einem verwandten Unterschlagungsvorwurf sprach das Gericht sie jedoch frei: Die Überweisung von Geldern über Konten regionaler Kirchenvertreter zur Vorbereitung dieser Spenden zeige keine eindeutige Bereicherungsabsicht — ein je nach Anklagepunkt unterschiedliches Urteil.
Warum es wichtig ist: die Mechanik eines Kirche-Staat-Deals
Dieser Fall ist mehr als Boulevardstoff — wegen des Motivs, das die Richter feststellten. Sie kamen zu dem Schluss, die Kirche habe die 20. Präsidentschaftswahl als Gelegenheit gesehen, ihren institutionellen Einfluss auszubauen: Sie unterstützte einen aus ihrer Sicht wohlgesinnten Kandidaten finanziell, um nach dessen Amtsantritt staatliche Unterstützung und politischen Einfluss zu sichern. Das Gericht erkannte damit formal einen bestimmten Kreislauf religiös-politischer Verflechtung an: Wahlkampffinanzierung → wohlwollende Regierung → politische und regulatorische Vorteile.
Die berichtete zweijährige Strafe ist ein angefochtenes erstinstanzliches Urteil, kein rechtskräftiges. Angeklagte, Vorwürfe und Instanzen verschiedener Verfahren sind zu unterscheiden.
Zahlen im Überblick
Die Kluft zwischen den geforderten 13 Jahren und den tatsächlich verhängten 2 Jahren lässt sich nicht allein mit Milde erklären. Das Parteienfinanzierungsgesetz selbst sieht vergleichsweise niedrige Höchststrafen vor, und der Freispruch in einem Teil des Unterschlagungsvorwurfs verkürzte die Strafe zusätzlich deutlich. Auch Hans Alter — 83 Jahre, mit aus gesundheitlichen Gründen ausgesetztem Haftbefehl — dürfte das Strafmaß beeinflusst haben.
132 Politiker und null Anklagen betreffen die gesonderte Spendenuntersuchung 2019–2025 der gemeinsamen Ermittlungsstelle. Sie stehen nicht für alle Verfahren um Han Hak-ja oder politische Fälle der Vereinigungskirche.
Der Streitpunkt: Durchgreifen oder nur "die Federn gefangen"?
Die Reaktionen auf das Urteil fallen sehr unterschiedlich aus. Die Redaktion von Kyunghyang Shinmun bezeichnete die Verurteilung in einem Leitartikel als Wendepunkt im Kampf gegen religiös-politische Verflechtung und argumentierte, die Regierungspartei könne das Muster nicht länger als Fehlverhalten Einzelner abtun — ein Argument, das durch die Tatsache gestützt wird, dass 32 der ersten 54 identifizierten Empfänger der Liberty Korea Party angehörten, der Vorgängerpartei der PPP.
Wie es weitergeht: Berufung und Auswirkungen auf den Kim-Keon-hee-Prozess
Der Fall geht nun in Berufung vor das Obergericht Seoul. Angesichts der von der Staatsanwaltschaft geforderten 13 Jahre dürften beide Seiten das Strafmaß weiter anfechten. Koreanische Medien erwarten breit, dass das Urteil Auswirkungen auf den separaten, laufenden Prozess gegen die frühere First Lady Kim Keon-hee haben könnte, da die hier strafrechtlich festgestellten Geld- und Geschenkflüsse als Beweismittel in ihrem Fall herangezogen werden könnten — sie gilt als letztlich Begünstigte.
- Han Hak-ja in erster Instanz zu 2 Jahren verurteilt … "sah Präsidentschaftswahl als Chance zur Machtausweitung" — Asia Economy (31.08.2026)
- "Kirche versuchte, über die Präsidentschaftswahl mit Geld ihren Einfluss auszuweiten" … Han Hak-ja zu 2 Jahren verurteilt — Money Today (31.08.2026)
- "Religiös-politische Verflechtung": Han Hak-ja zu 2 Jahren verurteilt … Kirche kündigt sofortige Berufung an — Edaily (31.08.2026)
- [Leitartikel] Hans Haftstrafe sollte Wendepunkt gegen religiös-politische Verflechtung sein — Kyunghyang Shinmun (31.08.2026)
- Sincheonji ließ vor Wahlen über 50.000 Mitglieder eintreten; Vereinigungskirche zahlte illegal an 132 Politiker — Hankyung (31.08.2026)
- South Korea's Unification Church leader Hak Ja Han sentenced to 2 years for corruption — The Washington Post (AP) (31.08.2026)
- [Leitartikel] Ermittlungsgruppe zu religiös-politischer Verflechtung fing "nur die Federn" — de facto ein Freifahrtschein für korrupte Politiker — Digital Times (11.08.2026)
- [Urteil] Choi Soon-sils 18-jährige Haftstrafe im "Staatsvereinnahmungs"-Skandal rechtskräftig bestätigt — Lawtimes (11.06.2020)
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