Won-Internationalisierung Südkorea: Was 3,4% Exportanteil verraten
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Dreißig Jahre nach der Asienkrise will Südkorea das Etikett "regulierte Währung" ablegen – die Zahlen dahinter zeigen, wie weit der Weg noch ist.
- Am 19. Juli stellte die Regierung einen Fahrplan vor, um den Won von einer "regulierten" in eine "frei konvertierbare Währung" umzuwandeln – mit vier Strategien von Offshore-Infrastruktur bis Risikomanagement.
- Doch 84,2% der südkoreanischen Exporte werden weiterhin in Dollar abgerechnet, nur 3,4% in Won – selbst koreanische Firmen nutzen ihre eigene Währung kaum.
- China trieb die Internationalisierung des Yuan seit 2009 als Staatsstrategie voran, doch 2020 lag der Anteil am globalen Zahlungsverkehr bei nur 1,6% – ein ernüchternder Maßstab dafür, wie ambitioniert Koreas Ziel ist.
Was ist passiert
Südkoreas Finanzministerium, die Finanzaufsicht, die Bank of Korea und die Wertpapierverwahrstelle haben am 19. Juli gemeinsam einen "Won-Internationalisierungs-Fahrplan" vorgestellt. Ziel ist es, den Won zu einer "frei konvertierbaren Währung" zu machen, die Ausländer offshore uneingeschränkt beschaffen und handeln können. Der inländische Devisenmarkt läuft bereits seit dem 6. Juli rund um die Uhr, und die Bank of Korea plant ab September eine Pilotphase für ein durchgehendes Offshore-Won-Abwicklungsnetz, mit vollständigem Start 2027. Ein neues Registrierungssystem für "Offshore-Won-Abwicklungsinstitute" soll es ausländischen Banken zudem erlauben, Won für Kunden zu halten, zu überweisen und abzuwickeln – ohne dass diese ein koreanisches Bankkonto benötigen.
Warum es wichtig ist / Hintergrund
Der Fahrplan rührt erstmals seit 30 Jahren an das Fundament der südkoreanischen Devisenpolitik, das nach der Asienkrise von 1997 entstand. Damals errichtete die Regierung ein streng "reguliertes" Währungsregime, das den Abfluss des Won ins Ausland eng kontrollierte – um zu verhindern, dass Ausländer den Won frei nutzen und destabilisierende Kapitalbewegungen auslösen. Doch eine Reihe günstiger Entwicklungen – ein Boom bei Halbleiterexporten, Rekordsteuereinnahmen und die Umstellung auf einen 24-Stunden-Devisenmarkt – hat die Regierung davon überzeugt, dass Korea die Internationalisierung nun "verkraften" kann. In einer Wirtschaft mit immer mehr grenzüberschreitenden Handels- und Investitionsströmen soll Unternehmen so ermöglicht werden, direkt in Won zu handeln, ohne Kosten für Dollarumtausch oder Währungsabsicherung.
Zahlen im Überblick
Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeigt sich direkt in den Handelsdaten. Der Won-Anteil an Südkoreas Exportabrechnungen erreichte 2025 mit 3,4% einen Rekordwert – der Dollar liegt aber weiterhin bei 84,2%. Bei Importen sieht es ähnlich aus: 6,6% in Won gegenüber 79,3% in Dollar. Wenn schon koreanische Unternehmen den Dollar der eigenen Währung überwiegend vorziehen, ist es ein noch größeres Vorhaben, Ausländer zur Won-Nutzung zu bewegen. Der nächstliegende Vergleichsfall ist der Yuan: China treibt dessen Internationalisierung seit 2009 als Staatsstrategie voran, doch 2020 lag der Anteil am globalen Zahlungsverkehr bei nur 1,6%. Wenn selbst die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt mehr als 15 Jahre brauchte, um nur so weit zu kommen, hat Korea einen langen Weg vor sich.
Streitpunkte / Verschiedene Perspektiven
Regierung und beteiligte Institutionen argumentieren, dass sinkende Absicherungskosten für Unternehmen und ein reiferer Kapitalmarkt die Folge sein werden, sobald Infrastruktur wie der 24-Stunden-Devisenmarkt und das Offshore-Abwicklungsnetz stehen. Das klassische Gegenargument bei Währungsinternationalisierung ist das Risiko von Kapitalflucht – handelt der Won erst frei offshore, könnten sich externe Schocks schneller auf Koreas Finanzmärkte übertragen. Das Korea Capital Market Institute erklärte jedoch kürzlich in einem Bericht, solche Bedenken verlören "zunehmend an Überzeugungskraft", und argumentierte im Gegenteil, Internationalisierung könne als Puffer in Krisen wirken. Die Regierung scheint diesen Zielkonflikt im Blick zu haben und kombiniert im Fahrplan schnellere Liberalisierung mit Risikomanagement wie erweiterten Währungsswap-Linien und mehr Stabilisierungskapazität am Devisenmarkt – Tempo, aber mit eingebautem Sicherheitsnetz.
Was als Nächstes kommt / Bedeutung
Die Pilotphase des Offshore-Won-Abwicklungsnetzes im September ist der erste echte Test. Wie viele ausländische Institute tatsächlich mitmachen und welches Handelsvolumen entsteht, dürfte darüber entscheiden, ob der vollständige Start 2027 gelingt. Für Export- und Importfirmen bedeuten Anreize der Förderbanken für Won-Handelsabrechnungen eine konkrete Kosten-Nutzen-Rechnung bei Umtausch und Absicherung. Für Anleger könnte steigende Auslandsnachfrage nach won-denominierten Anlagen die Wechselkursvolatilität mit der Zeit dämpfen – häufigere Kapitalbewegungen aus dem und ins Ausland könnten kurzfristige Schwankungen aber ebenso verschärfen. Am Ende hängt der Erfolg des Fahrplans weniger davon ab, wie viel Regulierung Seoul jetzt lockert, sondern davon, ob diese Öffnung auch in der nächsten Krise Bestand hat.
- Won legt Status als "regulierte Währung" ab – Regierung stellt Fahrplan zur freien Konvertibilität vor — Herald Corp (19.07.2026)
- Ausländer erhalten Offshore-Won-Konten und Handelszugang – Regierung beschleunigt "Won-Internationalisierung" — Seoul Shinmun (20.07.2026)
- "Freier Won-Handel auch offshore" – Regierung stellt Fahrplan zur Won-Internationalisierung vor — Asia Today (19.07.2026)
- "Großer Wandel" 30 Jahre nach der Asienkrise – Won soll offshore frei handelbar werden — Newspim (16.07.2026)
- Nutzen und Risiken der Won-Internationalisierung neu betrachtet — Korea Capital Market Institute, Capital Market Focus (2025)
- Chinas Fortschritte bei der Yuan-Internationalisierung und Auswirkungen auf Koreas Devisensektor — Korea Institute for International Economic Policy (KIEP)
- Won-Handelsabrechnungen näherten sich im Vorjahr 80 Billionen Won — Hankyung (14.07.2025)
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